Donnerstag, 28. August 2008

Es ist Sommer und ich fasse Gletschereis an :-)

Am Freitag, den 15.08.2008 sollte es losgehen, von Hamilton nach Calgary. Der typisch kanadische Verkehr hat die Anreise unnötig spannend gemacht. Nachdem ich auf dem Highway schon ne gute Stunde gebraucht habe und noch nicht weiter als bis zum Ortsende von Mississauga gekommen war, hab ich Vanessa und ihre Fahrer schon mal zum Flughafen losgeschickt. Nachdem Markus, ein Freund von Dennis zu Besuch war, konnte er mein Auto vom Flughafen dann zu Vanessa’s Wohnung mitnehmen. Naja, nachdem ich dann auf den kostenpflichtigen Highway 407 gefahren bin, war ich sehr schnell in Hamilton am Flughafen. Dort kamen dann auch ein paar Minuten später die anderen an. Nach einem kleinen Abendessen ging es dann ab ins Flugzeug und 4 Flugstunden später waren wir in Calgary. Wir haben dann auch gleich unseren Mietwagen am Flughafen abgeholt. Haben ein Economy Class Wagen reserviert und bezahlt und haben ein Full Size Auto bekommen, mal drei Klassen höher :-) Hatten nen schicken Mazda 6, war schön zum fahren. Naja, nachdem wir in Calgary noch zwei Stunden früher hatten als in Toronto, haben wir uns am Abend noch ein bisschen umgeschaut. Wir sind zu Fuss etwas in so einer Art Fußgängerzone entlang gestreift und haben uns dann in ein gemütliches Restaurant gesetzt um auf unseren Urlaub anzustoßen. Am nächsten Morgen haben wir uns dann direkt auf den Weg nach Banff gemacht. Allein die Fahrt dorthin auf dem Trans-Canada Highway war ein absoluter Traum. Bei strahlendem Sonnenschein fuhren wir den Rocky Mountains entgegen. In Banff angekommen haben wir erst mal schnell in unserem Hotel eingecheckt. Da wir das Wetter nutzen und die Umgebung erkunden wollten, haben wir uns dann gleich auf einen kleinen Spaziergang entlang des Bowrivers gemacht (unser Hotel lag direkt neben dem Fluss). Dort sind wir dann bis zu den Bow Falls gelaufen, von dort hatte man auch einen schönen Blick auf das Fairmont Banff Springs Hotel. Ein echtes Schmuckstück :-) Danach sind wir dann zum ausspannen (wir hatten uns ja schon sooooo angestrengt :-) ) erst mal in die berühmten Hotsprings gegangen. Das Wasser ist um die 40°C und soll Heilkräfte haben. Heilkräfte hin oder her - es war auf jeden Fall sehr angenehm zum baden und ausspannen. Für das Abendessen hatten wir uns ein nettes Pub ausgesucht in dem ich dann Pasta mit Bison-Streifen hatte, sehr lecker und absolut empfehlenswert :-) Für den Sonnenuntergang sind wir dann noch zu den Vermillion Lakes gefahren. Auf dem Weg dorthin hatten wir dann auch schon unsere erste Begegnung mit der Wildnis, wir haben einen Elk – laut Leo ein Wapitihirsch- gesehen, sogar mit Geweih, sah wirklich toll aus. Aber auch der tolle Ausblick auf die Rockies im Sonnenuntergang soll hier nicht unerwähnt bleiben :-)
Aber wie schön das war könnt ihr euch ja auf den Bildern anschaun, auch wenn die nur die Hälfte (wenn überhaupt) der Wirklichkeit wiedergeben können. Am Sonntag Morgen ging es dann im Banff Nationalpark weiter Richtung Norden nach Lake Louise. Auf dem Weg hatten wir uns auch unsere erste größere Wanderung ausgesucht - Johnston Canyon und die Ink Pots. Eine echt beeindruckende Natur,wirklich kaum zu beschreiben... Auf dem weiteren Weg hatten wir dann unsere erste Bärenbegegnung! Direkt neben dem Highway war ein junger Schwarzbär ganz friedlich am Fressen. Den haben die 20 Leute die dann auf einmal anhielten und Fotos gemacht haben so überhaupt nicht interessiert. Das war schon eine ganz besondere Erfahrung. In Lake Louise angekommen sind wir natürlich auch erstmal zu dem typischen Touriziel gefahren – dem See selbst. Das türkisfarbene Wasser und die Rocky Mountains, die sich dort spiegeln, sind einfach ein geniales Fotomotiv! Nach dem Abendessen sind wir zum Moraine Lake gefahren um dort den Sonnenuntergang zu beobachten. Diese Natur ist einfach nur atemberaubend! (das war Vanessa’s Lieblingswort unseres West-Urlaubs :-) ) Für den Montag hatten wir uns dann wieder eine größere Wanderung vorgenommen – den „Path of the six Glacier“. Die 7km (einfache Strecke) waren zwar wirklich anstrengend, aber haben sich auf jeden Fall gelohnt. Allein die Umgebung auf dem Weg und die wirklich erholsame Pause in einem kleinen Teahouse wären alles wert gewesen, aber dann kam ja auch noch die sagenhafte Aussicht auf sechs verschiedene Gletscher! Einfach nur beeindruckend, was will man da mehr sagen? :-)
Nach der anstrengenden Tour konnten wir uns im Auto wieder ein bisschen erholen. Wir machten uns auf dem Weg zum Columbia Icefield, was dann auch schon im Jasper Nationalpark liegt. Auf der Fahrt kamen wir dann wieder in den Genuss von ein bisschen Wildnis und haben einen Grizzly und zwei Schwarzbären gesehen, diesmal ausgewachsene. Wieder waren diesen beeindruckende Tiere nur etwa 10m von uns entfernt.
Unterwegs kamen wir natürlich noch an vielen wunderschönen Seen vorbei mit herrlicher Aussicht auf die Berge.
Am Columbia Icefield angekommen konnten wir in dem Restaurant unseres Hotels erstmal den herrlichen Ausblick auf den Athabasca Gletscher genießen. Für den nächsten Morgen hatten wir dort eigentlich eine geführte Gletscherwanderung gebucht. Da es am Abend jedoch ein heftiges Unwetter gab, war der Wanderweg überflutet und somit wurde die Wanderung leider abgesagt. Eigentlich passiert so was ja höchstens einmal im Jahr, wir sind schon echte Glückspilze :-)
Naja, wir haben uns dann halt früher als geplant auf den Weg nach Jasper
gemacht und uns entschieden unterwegs wieder ein paar kleinere Wanderungen einzulegen. Nachdem das Wetter auch nicht mehr ganz so schön war, legten wir erst mal eine kurze 3km Wanderung am Beauty Creek ein. Danach ging es dann direkt nach Jasper wo wir erstmal in unserem Chalet eingecheckt haben – Schlafraum mit Kamin, eine kleine Küche und Badezimmer, wirklich schnuckelig! Am Nachmittag haben wir dann erstmal noch einen Bummel durch Jasper gemacht. Wir haben uns dann mal noch etwas Bären-Sicherheits-Ausrüstung besorgt, Bärenglocke und Bärenspray. Wir hatten ja noch einige Wanderungen vor uns und da will man ja gewappnet sein. Einen kleinen Abstecher zu den Athabasca Falls haben wir vor dem Abendessen auch noch eingelegt, wieder wunderschön! Diesen Abend hatten wir uns dann mal gegen Burger und Steak und für ein wirklich leckeres Sushi-Restaurant entschieden. Hatten ja tagsüber nicht so viel Energie verbraucht wie an den Vortagen :-) Am Abend haben wir uns es dann noch mit ein paar Chips und einem Weinchen vor unserem nicht brennenden Kamin gemütlich gemacht :-) An dieser Stelle muss auch mal kurz eine Nacht erwähnt werden (sorry Vanessa, aber die Geschichte muss einfach erzählt werden:-) ) Diese Nacht war nämlich etwas ganz besonderes. Vanessa fand es irgendwie lustig mich im Halbstunden-Rhythmus zu wecken, weil wir eine Motte im Chalet hatten. Die kleinste von uns musste danna uch auf einen Stuhl steigen um sie an der Decke zu beseitigen :-) Nach drei Weckrunden hatte ich die Motte dann anscheinend erwischt, danach durfte ich schlafen :-)
Mittwoch früh haben wir uns dann bei wechselhaftem Wetter auf den Weg zu Mount Edith Carvell gemacht. Der Regen hat dann nachgelassen und wir konnten unsere kleine Wanderung zu einem absolut gigantisch tollen Gletschersee genießen.
Die Aussicht war einfach nur fantastisch. Ich stand an dem See und dachte nur„Es ist 20. August und ich fasse Gletschereis an“ das war eigentlich schon fast unglaublich, aber ich war ja dabei :-)
Am Nachmittag sind wir zum Medicine und Maligne Lake gefahren. Auf dem Weg dorthin haben wir eine Caribou Herde gesehen. Aber auf unserer Wanderung sollte es noch besser werden! Wir hatten dann eine etwas andere Art der Begegnung mit einem Moose (Elch) – als wir ihn oder besser gesagt sie, es war eine Elchkuh, zum ersten mal sahen stand sie friedlich auf dem Feld und hat gefressen. Wir haben uns dann ganz ruhig verhalten und ein paar Bilder gemacht. Plötzlich dreht sie sich in unsere Richtung, fängt erst langsam an zu Laufen und dann zu rennen – direkt auf uns zu! Wir waren zwar halbwegs sicher hinter Bäumen am Wegrand versteckt, damit wir wenigstens nicht direkt gerammt werden können, aber ganz geheuer war es uns trotzdem nicht :-)
Wir waren dann beide etwas erleichtert als der Elch ein paar Meter vor uns in die Büsche abgebogen ist und auch nicht mehr zurückkam!
Aber Leute, das war ein Erlebnis :-) Ich fand’s super! :-) Auf dem restlichen Wanderweg sind uns dann noch zwei kleinere Hirsche begegnet, die dann aber nicht fangen mit uns spielen wollten, so ein Pech aber auch! Zum Abendessen sind wir dann in die Jasper Brewery gegangen und haben ein herrliches Maple-Syrup mariniertes Steak genossen. Yummie!!! Am Donnerstag sind wir bei Regen (mal wieder) und 8°C aufgebrochen um eine Wanderung auf dem Wilcox Pass zu machen. Nachdem der Regen aber immer stärker und die Temperatur mit zunehmender Höhe auch immer weniger wurde, haben wir die Wanderung dann nach ca. 1,5h abgebrochen. Wir sind dann direkt in unsere nächste Unterkunft bei Sasketchawan River Crossing gefahren. Den Tag haben wir dann mit ausruhen und lesen verbracht – tat auch mal ganz gut. Auch wenn wir am Freitagmorgen auf einigen Gipfeln Schnee sehen konnten, der am Tag zuvor noch nicht da war, wurde das Wetter tagsüber wieder besser. Es hat nicht mehr geregnet und die Temperaturen waren wieder zweistellig. Wir haben uns auf den Weg zum Mistaya Canyon und Peyto Lake gemacht. Nachdem wir in unserem Reiseführer gelesen hatten, dass es auch irgendwo direkt zum Peyto Lake runtergeht (die Touri Aussichtsplattform ist ca 200m über dem See) haben wir uns auf die Suche nach dem Weg gemacht. Und Tatsache - wir wurden fündig :-) er war dann aber doch etwas steiler als wir uns das vorgestellt hatten - naja egal, wir wollten den See ja nicht nur von der Standard-Perspektive sehen, wir wollten was Besonderes. Das haben wir dann aber auch definitiv bekommen! Es war einfach toll, wie wir dann unten am Ufer des Sees saßen und die Berge sich direkt neben uns erstreckten. Naja, irgendwann mussten wir den ganzen steilen Weg auch wieder rauf gehen, aber so haben wir nach dem Faulenzer-Tag wieder ein bisschen trainiert :-)
Außerdem hatten wir ja für diesen Tag mal eine längere Strecke (ca 200km )im Auto vor uns. Unser Ziel war Radium Hotsprings, am Fuß von Kootenay Nationalpark. Aber auf dem Weg haben wir erstmal die Grenze zu British Columbia und den Yoho Nationalpark überquert. Dort haben wir dann auch wieder einige absolut sehenswerte Stops eingelegt – Takakkaw Falls, Emerald Lake und Natural Bridge. Die Natural Bride war wirklich ein natürliche Brücke aus Steinen, über die man einen Fluss überqueren kann oder könnte - ich glaube es war nicht wirklich erlaubt.
In Radium Hotsprings angekommen haben wir dann nach einem wieder mal absolut leckeren Abendessen uns noch mal fürs Baden entschieden. Wie der Name schon sagt gab es auch dort Hotsprings, wo wir uns dann in der Abenddämmerung entspannt haben. Für unseren letzten Tag, an dem wir wandern konnten, hatten wir uns noch mal was besonderes vorgenommen. Wir wollten 17km über zwei Pässe im Kootenay Nationalpark laufen. Naja, irgendwie blieb es dann aber auch bei dem vornehmen – wir sind gestartet und nachdem wir nach ca. 3h immer noch kein Schild, kein Aussichtspunkt und noch nicht mal einen anderen Wanderer gesehen haben, haben wir nur eine kurze Pause eingelegt, um zumindest ein bisschen was von der schönen Aussicht genießen zu können, und sind dann wieder umgekehrt. Erst kurz vor dem Ende sind uns dann doch mal zwei andere Wanderer begegnet. Nach der eher etwas enttäuschenden Wanderung haben wir uns dann auf den Rückweg nach Banff gemacht, wo wir noch mal unsere letzte Nacht verbrachten. In Banff haben wir uns noch mal in Ruhe das kleine gemütliche Städtchen angeschaut, haben lecker gegessen und dann nur noch gepackt. Am Sonntagmorgen sind wir dann wieder nach einem sehr guten Frühstück in Evelyn’s Cafe nach Calgary gefahren. Abends um 18:20 ging ja unser Flieger nach Toronto. Ein paar Stunden hatten wir noch in Calgary, die wir dann in einer Mall und den Devonian Gardens verbracht haben. Praktisch in der Mall angelegt kann man sich dort nach anstrengendem Shopping bei fließendem Wasser, Vogelgezwitscher und umgeben von schönen Blumen ausruhen. Wirklich eine kleine Oase.

So, das war es jetzt von meinem bislang längsten Urlaub, wie man wahrscheinlich auch an der Textlänge merkt :-) Sorry, aber irgendwie muss ich euch ja erzählen was ich da alles so erlebt habe.

Naja und für diejenigen, die es lieber kurz und knackig mögen:

2 Mädels, 9 Tage, 4 Nationalparks und viele Bären - AWESOME, EH!

Liebe Grüße

Sabrina